05. Januar 2018

„Humor in der Psychotherapie“: Nachbericht zum Vortrag vom 06. Dezember 2017

„Humor in der Psychotherapie“: Nachbericht zum Vortrag vom 06. Dezember 2017

"Humor in der Psychotherapie" war der Titel der letzten Fortbildungsveranstaltung 2017 am MediClin Zentrum für Psychische Gesundheit in Donaueschingen. Prof. Barbara Wild, Chefärztin der Fliednerklinik Stuttgart referierte zu diesem Thema am 06. Dezember 2017

Was ist Humor und was steckt hinter einem Lachen?

Zu Beginn des Vortrags wurde deutlich, dass Humor nicht gleich Humor und Lachen nicht gleich Lachen bedeutet. Laut Wild habe Humor viele Facetten, so unterscheide sich zum Beispiel ein erzählter Witz von etwas Witzigem, das im Alltag passiert. Ferner könne Humor auch ein Stil kognitiv-emotionaler Verarbeitung sein, nämlich die Fähigkeit, den Fokus auf die positiven Seiten zu legen. "Diese Formen von Humor wiederum unterscheiden sich von der "dunklen Seite" des Humors, die zum Beispiel Sarkasmus, Entwertung und Vorurteile umfasse", sagt Wild

Was für den einen lustig oder komisch ist, kann von dem anderen als verletzend oder abwertend empfunden werden. Ähnlich ist es mit dem Lachen - Witze oder lustige Situationen führen zu Erheiterung, was sich durch ein Lächeln oder Lachen äußern kann. Auch hier machte die Professorin darauf aufmerksam, dass Lachen nicht zwingend positive Hintergründe haben müsse. Ein Lächeln oder Lachen könne ebenso bedeuten, dass der Betroffene Verlegenheit oder Scham empfindet und versucht, unangenehme Gefühle "wegzulächeln". In der Psychotherapie sei es wichtig, zu hinterfragen, warum der Patient lächelt oder lacht. Es könne sich auch um ein Vermeidungsverhalten handeln.

Wie wirkt sich Humor auf die Gesundheit aus?

Wild stellte Studien vor, in denen die positiven Zusammenhänge zwischen Humor, Hoffnung und Lebenszufriedenheit sowie die positive Wirkung von Humortraining bei Depressivität und auf das Belastungs-EKG von Patienten mit Angina Pectoris (ohne Revaskularisationsmöglichkeit) aufgezeigt wurde. "Humor ist eine "Filterfacette", die die Resilienz, also die seelische Widerstandsfähigkeit fördern kann", sagt Wild.

Auch in der Psychotherapie könne Humor durchaus positive Effekte haben, zum Beispiel in der Diagnostik. So erhalte man anhand des Inhalts und der Art eines Witzes Eindrücke, was den Patienten gerade besonders beschäftige. Weiterhin könne durch ein gemeinsames Lachen die Nähe zwischen Therapeut und Patient gefördert und damit die therapeutische Beziehung gestärkt werden. "Humor hilft außerdem eine gesunde Distanz zu den eigenen Symptomen aufzubauen, was dem Patient oft einen anderen Blickwinkel oder neue Ansätze verschafft", sagt Wild. Eine Ausnahme seien Patienten mit Gelotophobie, der Angst ausgelacht zu werden, hier könne sich Humor in der Therapie auch negativ auswirken.

Insgesamt fühle sich Wild aber im Einsatz von Humor in der Psychotherapie bestätigt. In einer Patientenbefragung hätten viele Patienten geäußert, der Humordiene auch in der Therapieähnlich wie im Alltagals "Eisbrecher" und die Therapie sei dadurch weniger "abgehoben".

"Humor fördert die fünf Wirkfaktoren der Psychotherapie Beziehungsstärkung, Ressourcenaktivierung, Problemaktualisierung, motivationale Klärung und Problembewältigung" fasst Wild zusammen.

Anja Maser

Kaufmännische Leiterin
Anja Maser