10. August 2017

Nachbericht zum Vortrag: „Was macht uns krank – was hält uns gesund“

Nachbericht zum Vortrag: „Was macht uns krank – was hält uns gesund“

Am 5. Juli 2017 fand im MediClin Zentrum für Psychische Gesundheit in Donaueschingen eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Was macht uns krank – was hält uns gesund“ statt. Die Antwort auf diese Frage sei nicht nur im Umgang mit Patienten wichtig, sondern auch für die eigene Lebensführung, betonte Dr. Björn Grossmann, Chefarzt des Zentrums für psychische Gesundheit, in seiner Begrüßung. 

Der Referent, Dr. med. Dipl. Psych. Claus Derra, Facharzt für psychosomatische Medizin, spezielle Schmerztherapie, Sozialmedizin, und Rehabilitationswesen war mehrere Jahre Ärztlicher Direktor des Reha-Zentrums Bad Mergentheim (Gastroenterologie und Psychosomatik) und ist Autor von Büchern und Hörbüchern über Schmerztherapie und Entspannungsverfahren. Derra zeigte in seinem Vortrag auf, wie psychische Belastung Krankheiten auslösen kann. Dazu berichtete er aus seinem Berufsalltag und regte die Zuhörer mit einer Körperübung zur Selbstreflexion an.


Was macht uns krank?

Als Faktoren für eine psychisch bedingte Erkrankung nannte Derra u. a. Genetik, Kindheitserfahrungen, Bindungsverhalten, Konfliktbewältigung, zwischenmenschliche Beziehungen und die Arbeitssituation. Das biopsychosoziale Modell, das Zusammenspiel von Körper und Seele erläuterte er am Beispiel des Schmerzsyndroms Morbus Sudek und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. 

„Dauerstress führt zu einem erhöhten Cortisolspiegel und zu einer Cortison-Resistenz, die langanhaltende Entzündungsprozesse mit entsprechenden Folgen auslöst“, erklärte Derra.


Was hält uns gesund?

„Entscheidend ist es, die Patienten zur  langfristigen, dauerhaften Lebensveränderung zu motivieren“, erklärte er. Für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil seien Stressimmunisierung, Beziehungen zu anderen Menschen, Konfliktlösestrategien, Abgrenzungsfähigkeit und die Auseinandersetzung mit der Bedeutung der eigenen Werte wesentliche Faktoren. 

Als therapeutische Ansatzpunkte hob Derra die Verbesserung  von Stressverarbeitung und Krankheitsbewältigung hervor. Des Weiteren plädierte er dafür, Somatisierung als Reaktionsmöglichkeit der Psyche zu verstehen.


Diskussion und Ausblick

Am Ende des Vortrags nutzten die anwesenden Fachärzte Psychotherapeuten und Allgemeinmediziner bei einem Imbiss die Zeit zur Diskussion. Insbesondere die Psychoneuroimmunologie war Mittelpunkt dieses Austauschs. Sie untersucht das Zusammenspiel von Nerven-, Hormon- und Immunsystem in Reaktion auf die Umwelt.

Die Fortbildungsreihe 2017 wird am 27.09.2017 mit dem Vortrag „Geschlechtsspezifische Ausprägungen häufiger psychischer und psychosomatischer Erkrankungen und deren Behandlung“ von Prof. Dr. med. Anita Riecher-Rössler (Universität Basel)  weitergeführt.

Dr. Cornelia Beinhofer 

Assistenzärztin

Tanja Reichhart

Verwaltungsleitung
Tanja Reichhart