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Psychische Störungen mit psychotraumatischem Hintergrund

Viele Menschen, die mit verschiedenen Formen von Angsterkrankungen, einer sogenannten Borderline- Persönlichkeitsstörung oder dissoziativen Störungen in Behandlung kommen, haben in ihrer Lebensgeschichte erheblich bedrohliche Situationen erlebt, die mit Hilflosigkeitserleben oder dem Gefühl, schutzlos ausgeliefert zu sein, einhergingen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem „Psychotrauma“. Man unterscheidet Traumata von kurzer Dauer und einmaligem Auftreten von solchen, die über längere Dauer oder wiederholt auftreten (z.B. Kriegsgefangenschaft, anhaltender sexueller Missbrauch). Letzteres zieht häufig eine Erschütterung des Selbstverständnisses nach sich. Wenn bestimmte spezifische Reaktionen auftreten wie ständiges Wiedererinnern und Wiedererleben einer traumatischen Situation, Vermeidungsverhalten bzgl. der Reize, die mit einem Trauma assoziiert sind, Symptome wie Teilnahmslosigkeit, Gefühl der Entfremdung und insbesondere auch Zeichen gesteigerter innerer Erregbarkeit auftreten, spricht man von einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“. Diese kann unmittelbar nach einem solchen erschütternden Erlebnis auftreten oder aber auch verzögert beginnen.

Die Symptome können sich auch ohne Behandlung innerhalb der ersten drei Monate nach einem Ereignis wieder zurückbilden oder weiter anhalten. Die Verlaufsformen können im Weiteren sehr vielschichtig sein, von Verläufen über wenige Monate bis hin zu Jahren, wobei es im Allgemeinen im Zeitverlauf zu einer Abschwächung der Symptome kommt.

Bei früher Traumatisierung werden die zu Grunde liegenden Erlebnisse häufig nicht mehr genau erinnert, so dass Behandlungen zum Teil wegen vordergründig anderer Störungen durchgeführt werden, insbesondere wenn Fehlregulationen von Affekten und Impulsen, funktionelle Störungen oder Depressionen geschildert werden. Viele Betroffene neigen zusätzlich zu Rückzugsverhalten und sozialer Isolation und erfahren zwischenmenschliche Kontakte als belastend. Nach jahrelangen Krankheitsverläufen kann es auch zu Veränderungen der Persönlichkeit kommen, die eine lebenslange Beeinträchtigung darstellen können. 

Psychotraumata angemessen berücksichtigen

Wichtig ist, dass bei der Anamnese Fragen nach solchen Ereignissen gestellt werden und solche Erlebnisse, die leider nicht selten vorkommen, in der Behandlung angemessen berücksichtigt werden. Für die Behandlung schwerer posttraumatischer Belastungsstörungen empfehlen wir klinische Zentren, mit denen wir auch zusammenarbeiten. Ansonsten berücksichtigen wir den Hintergrund traumatischer Erlebnisse in unseren Behandlungen. Damit stellen wir sicher, dass nicht nur oberflächliche Symptome behandelt werden, sondern auch tiefergreifende frühere Erlebnisse, die u. U. sonst über Jahre bis Jahrzehnte hin immer wieder zu psychischen Beschwerden auch vordergründig ganz anderer Art führen. 

Dr. med. Björn Grossmann

Chefarzt
Dr. med. Björn Grossmann