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Psychosen

(z. B. aus dem schizophrenen Formenkreis)

Allgemein versteht man unter Psychosen Zustände, die Betroffene Geschehnisse verändert wahrnehmen lassen. Kurt Schneider, ein seinerzeit führender Psychiater, sprach von „Störungen, die das Empfinden und Wahrnehmen, Vorstellen und Denken, Fühlen und Werten, Streben und Wollen sowie das Ich-Erlebnis betreffen“.

Psychosen sind häufige und vielgestaltige Krankheitsbilder und können verschiedene Verläufe nehmen. Man geht davon aus, dass auf der Welt etwa 3-4% der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer Psychose erkranken, wobei diese Erkrankung in allen Kulturen etwa gleich häufig auftritt.

Es gibt Psychosen, die auf Grund von organischen Krankheiten auftreten, z.B. im Rahmen von Infektionen, schwerwiegenden Stoffwechselstörungen, neurologischen Erkrankungen, als Folge von Drogenkonsum (z.B. LSD, Kokain) oder ggf. auch nach Einnahme bestimmter Medikamente.

Meist lassen sich jedoch keine organischen Ursachen feststellen, wie z.B. bei den Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis, die heute trotz noch landläufig bestehender Vorurteile erfolgreich behandelt werden können.

Die therapeutischen Maßnahmen sind heute für Patienten deutlich weniger belastend und weit effizienter als früher, sodass schwere und chronische Krankheitsverläufe, die nachhaltig die Lebensqualität einschränken, selten geworden sind. Gerade bei akuten psychotischen Zuständen kann der gut durchdachte Einsatz von spezifischen Psychopharmaka für den Betroffenen sehr hilfreich sein. Unterstützt wird die Akutbehandlung durch spezifische psychotherapeutische Interventionen.

In der Behandlung von Psychosen ist die exakte diagnostische Einordnung sehr wichtig. Bei Ersterkrankungen sind differentialdiagnostisch weiterführende neurologische und internistische Untersuchungen wichtig.

Psychotherapeutisch sind nach der akuten Phase besonders die auslösenden Faktoren für die Psychose herauszuarbeiten. 

Psychotische Symptome im Rahmen anderer psychischer Erkrankungen

Von großer Wichtigkeit in der Praxis ist, dass auch Depressionen mit psychotischen Zustandsbildern einhergehen können, damit verdeutlichen diese dann einen erheblichen Schweregrad der Depression. Psychotische Symptome im Rahmen der Depression lassen sich aber von denen einer primären Psychose wie der Schizophrenie deutlich abgrenzen und müssen auch anders behandelt werden.

Es gibt neben den beschriebenen psychotischen Zuständen bei Depressionen auch Krankheitsbilder, bei denen im Verlauf sowohl affektive als auch eigenständige psychotische Symptome vorkommen. Diese Störung werden als „schizoaffektive Erkrankungen“ bezeichnet. Diese werden ebenso hier in der Klinik behandelt.

Wichtig ist noch zu bemerken, dass jeder Mensch bei psychischer Überforderung psychotisch dekompensieren kann. Menschen haben eine unterschiedliche „Widerstandsfähigkeit“ gegenüber psychisch belastender Ereignisse, was die auch Resilienz genannt wird. Gerade diese gilt es auch in der Behandlung von Psychosen gezielt zu stärken. Auch hier kommen gezielte wirksame psychotherapeutische Interventionen in der Behandlung zum Einsatz.

Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten geht man bei der Entstehung von primären Psychosen von einer „multifaktoriellen Genese“ aus, wobei auch genetische und organische Faktoren zur Krankheitsentstehung beitragen. Entwicklungsbiologische und –psychologische Faktoren bedingen dann Veränderungen, die bereits lange vor dem Ausbruch der Erkrankung auftreten, aber im Alltag oft nicht als Vorboten der später auftretenden Psychose erkannt werden.

Dr. med. Björn Grossmann

Chefarzt
Dr. med. Björn Grossmann