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Substanzmissbrauch und Abhängigkeit

(z.B. Alkohol, Nikotin, Arzneimittel und immaterielle Süchte)

Eine Abhängigkeit kann substanzgebunden sein, wie z.B. bezogen auf Alkohol, Tabak, Medikamente, aber auch illegale Drogen wie beispielsweise Heroin, Kokain oder LSD, oder nicht stoffgebundener Art sein. Dazu zählen Spielsucht, Internetsucht oder Sexsucht. Nicht stoffgebundene Süchte, insbesondere Internet- und Glückspielsucht sind in den letzten Jahren auf dem Vormarsch. Dies entspricht sicherlich den gesellschaftlichen Änderungen in Richtung Mediengesellschaft.

Wein in Maßen getrunken, kann Genusscharakter haben. Unter bestimmten Bedingungen kann sich daraus zunächst ein riskanter Konsum und in der Folge eine Abhängigkeit entwickeln. Kriterium einer Sucht ist zunächst die Einnahme einer Substanz, um bestimmte psychische Effekte zu erreichen, wie z.B. Entlastung. Da sich unser Gehirn auf die Zufuhr der psychotropen Substanz mit Belohnungscharakter einstellt, benötigt das Belohnungszentrum im Mittelhirn immer höhere Dosen, um den ursprünglichen Effekt zu erreichen. Es kommt zu einem Gewöhnungseffekt, zu einer Toleranzentwicklung. Aufgrund des Suchtgedächtnisses mit dem Wunsch nach rascher Bedürfnisbefriedigung und beginnender körperlicher Entzugssymptomatik mit zunehmender innerer Unruhe kommt es zu einem zunehmenden Verlangen nach der Substanz. Es kommt zu einer gedanklichen Einengung auf die Beschaffung und Zufuhr des Suchtmittels. Mit anhaltendem Konsum kommt es zu zunehmenden körperlichen und psychischen Folgeerkrankungen (u.a. Depression) und Verfall. Die zunehmende geistige Einengung auf das Suchtmittel führt zu einer Vernachlässigung und Verlust sozialer Kontakte und Verlust des Arbeitsplatzes. Familien zerbrechen. Es kommt zu einem sozialen Abstieg und einem Verlust all dessen, was einem früher lieb und teuer war. 

Die Entstehungsmechanismen sind multifaktoriell

Auch diesen Erkrankungen liegt ein multifaktorieller „Entstehungsmechanismus“ zugrunde. U.a. spielen genetische Faktoren, Verhaltens- und Lernerfahrungen sowie soziale Faktoren eine Rolle. Ein suffizientes Behandlungskonzept muss diesen verschiedenen Gesichtspunkten Rechnung tragen. Neurobiologische Gesichtspunkte, wie die Tücken des sich ausbildenden „Suchtgedächtnisses“, müssen dabei immer wieder berücksichtigt werden.

Von primären Suchterkrankungen abzugrenzen sind die sogenannten sekundären. Viele Menschen, die z.B. unter Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden und die Erfahrung gemacht haben, dass z.B. Alkohol ihr momentanes Befinden mildert, setzen Alkohol als "Therapeutikum" ein. Aus anfänglichen positiven (erleichternden) Erfahrungen entwickelt sich dann manchmal schon nach kurzer Zeit eine Abhängigkeit, die dann die Grunderkrankung erheblich verschlechtern kann. So führt der Konsum von Alkohol zu einer Verstärkung von depressiven Zuständen und zu Schlafstörungen, z.B. wenn über Nacht Entzugssymptome auftreten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich die Behandlung von psychischen Störungen bei zusätzlich vorhandenen Abhängigkeiten deutlich schwieriger gestalten kann. Ein anhaltender Alkoholkonsum gefährdet den Betroffenen bei Einnahme von Psychopharmaka und macht Psychotherapie komplexer. Deswegen werden sekundäre Suchtentwicklungen bei der Behandlung anderer psychischer Erkrankungen mitberücksichtigt.

Nach gezielter erfolgreicher Behandlung einer psychischen Erkrankung, die Anlass zu einem Suchtmittelkonsum war, ist der Betroffene in der Lage, sein Konsumverhalten zu überdenken. Der Betroffene kann sich von den negativen psychischen und physischen Auswirkungen des Konsums erholen, was häufig als sehr positiv erlebt wird.
Auch hier passen wir die Behandlungsmethoden den individuellen Erfordernissen an.

Zusätzlich zu den psychotherapeutischen Konzepten einer Behandlung bei Suchtmitteln müssen gezielt organische Auswirkungen diagnostiziert und gegebenenfalls therapiert werden. Dies erfolgt in unserer Klinik mit Hilfe zusätzlicher Facharztkompetenz.

Wege unserer Diagnostik

1

Psychosomatisch-psychiatrisches Anamnesegespräch

2

Psychometrische Testverfahren

3

Klinisch körperliche Untersuchung

4

Klinisch apparative Untersuchungen

5

Stressdiagnostik

6

Konsiliarische Untersuchungen

Dr. med. Björn Grossmann

Chefarzt
Dr. med. Björn Grossmann