Pharmakotherapie

Pharmakotherapie

Nicht jede psychische Erkrankung muss mit Medikamenten behandelt werden. Diese können aber die therapeutische Behandlung ergänzen. Wie wir Psychopharmaka gezielt einsetzen.

Behutsamer Einsaz von Medikamenten

Über die Behandlung psychischer Störungen mit Medikamenten scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite empfehlen die Fachgesellschaften eine wissenschaftlich fundierte Psychopharmakotherapie während bestimmter Krankheitsphasen. Auf der anderen Seite stehen die Ängste von Patienten, insbesondere zu Beginn der Therapie:

  • Medikamente könnten ihre Persönlichkeit verändern.
  • Unangenehme Nebenwirkungen könnten den Nutzen der Medikamente überwiegen.
  • Psychopharmaka könnten abhängig machen.

Zu dem umstrittenen Ruf von Psychopharmaka trägt bei, dass immer wieder über unsachgemäße Anwendung und Missbrauch von Psychopharmaka berichtet wird. 

Patienten über Psychopharmaka aufklären

Grundsätzlich muss keinesfalls jede psychische Erkrankung mit Psychopharmaka behandelt werden. Gemeinsam mit dem Patienten entscheiden wir über eine medikamentöse Therapie. Wir informieren Sie ausführlich über Erfolgsaussichten, Alternativen und Risiken. Wer sich für Medikamente entscheidet, muss diese nicht zwangsläufig über einen längeren Zeitraum einnehmen. In der stationären Behandlung können wir, im Gegensatz zur ambulanten, Psychopharmaka kurzfristig anpassen, wenn sich nicht der gewünschte Erfolg zeigt oder Nebenwirkungen eintreten.

Wie wir Medikamente in der Therapie einsetzen

Wenn wir uns mit Ihnen zusammen für eine medikamentöse Therapie entscheiden,

  • beachten wir die Leitlinien unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaften.
  • verordnen ausschließlich unsere erfahrenen Fachärzte die Medikamente.
  • beachten wir bereits vorliegende körperliche Erkrankungen und deren medikamentöse Behandlung.
  • nehmen wir alle von den Fachgesellschaften empfohlenen Kontrolluntersuchungen (Labor, EKG etc.) vor.
  • beachten wir klinisch wichtige Wechselwirkungen mit sonstigen eingenommenen Medikamenten.
  • führen wir Blutspiegeluntersuchungen der verordneten Medikamente nach den Standards der AGNP (Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie) durch und bestimmen ggf. die Aktivität der verschiedenen abbauenden Leberenzyme (Gentypisierung des Cytochrom-Systems der Leber), um medikamentöse Therapien so wirkungsvoll und so nebenwirkungsarm wie möglich zu gestalten.

Medikamente gezielt dem Krankheitsverlauf anpassen

Psychische Erkrankungen wie Psychosen und Depressionen können chronisch verlaufen. Deshalb optimieren wir auch in der Stabilisierungsphase (nach Abklingen der Akutbehandlung) die verschiedenen Behandlungsbausteine; gegebenenfalls beziehen wir auch Medikamente in das Gesamtkonzept ein. Gezielt eingesetzt ist dies häufig mit sehr geringen Dosen möglich. 

Wir berücksichtigen in der Behandlung auch neue Erkenntnisse der Chronopharmakologie, die u. a. erforscht, wie sich biologische Rhythmen in der Wirksamkeit von Medikamenten niederschlagen.